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Ohrlochforum

Das private Forum zum Thema Ohrlöcher und Ohrpiercings – Ohrlochstechen, Schmuck, Pflege, Dehnen, Mehrfachohrlöcher …

Re: Fetisch?

geschrieben von Alexus am 22.12.2017 um 19:52:52 - als Antwort auf: Re: Fetisch? von delen
 
Ich glaube, ich muss extrem geschockt geschaut haben, als ich das erste Mal Zeuge wurde, wie die Kindertante das Mädchen mit den Worten "Oh, was ist denn mit deinem Ohrringelchen?" zu sich herüberbat - und dann mit spitzen Fingern den Ring so drehte, dass der Schmuckstein wieder ordentlich auf der Vorderseite des Ohrläppchens zu liegen kam.
Ich weiß nicht, ob die Erkenntnis, dass der Schmuck also durch das Ohrläppchen hindurchgehen musste, sich sofort elektrisierend auf mich auswirkte


Mir ging es ganz ähnlich. Ich war auch etwa fünf Jahre und entdeckte auf einem Kindergeburtstag, wo wir zu dritt auf dem Rücken meines Vaters reiten durften, die Schmetterlingsverschlüsse der vor mir sitzenden Spielkameradin hinter dem Ohr. Auch da war mir sofort klar, dass das durchs Ohr durchgehen musste und dass man das nicht von alleine hat. Es waren Erstlingsstecker, jene mit der projektilartigen Spitze. Das Bild hat sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt.

Meine Eltern haben auf das Thema auch sehr ablehnend reagiert, für einen Jungen war es ohnehin tabu, aber auch meine Schwester hat gewartet, bis sie 18 wurde. Trotzdem habe ich mir seitdem auch Ohrringe gewünscht. Das hat nichts mit dem Rollenbild Mann/Frau zu tun, sondern ist nur auf die Faszination Ohrring beschränkt, wobei es für mich bei Frauen natürlich erotischer ist, das entspricht ja auch meiner sexuellen Neigung. Trotzdem gucke ich unwillkürlich jedem Menschen, dem ich begegne, Mann oder Frau - immer zuerst aufs Ohr und dann erst in die Augen.

Elektrisiert war ich damals oft, wenn ich Mädchen belauschen konnte, wie sie über ihre Ohrringe sprachen. Dass man sie immer drehen müsse, damit sie nicht zuwachsen. Irgendwann kam einmal eine Freundin meiner Schwester mit nur einem frischgestochenen Ohrstecker zu uns: es habe höllisch weh getan, den zweiten habe sie dann verweigert. Das hat natürlich meinen Respekt gegenüber meinen Spielkameradinnen verstärkt, die beide Ohren beringt hatten. Ende der Siebziger kamen dann immer mehr Klassenkameradinnen mit Ohrsteckern in die Schule. Jedesmal traf mich das ins Mark, und in den Achtzigern ging es stetig weiter.

Ich glaube, ich war elf, als ich einmal bei langweiligen Hausaufgaben saß und dabei mit einer Stecknadel spielte. Plötzlich hatte ich den Einfall, einmal zu probieren, ob es weh tut, wenn man damit ins Ohrläppchen piekst. Sozusagen als Vorstudie, ob Ohrlochstechen wirklich so schmerzhaft ist. Ich verzog mich auf die Toilette, setzte die Nadel an und drückte ein bisschen. Es piekte, aber nicht stark. Dann drehte ich die Nadel zwischen den Fingern. Und langsam versenkte sich die Nadelspitze immer mehr im Ohrläppchen. Es tat aber nicht weh, fühlte sich nur etwas wund an. Nun konnte ich nicht mehr aufhören. Mein Herz schlug bis zum Hals. Irgendwann merkte ich, wie die Nadelspitze an der hinteren Lederhaut angekommen war, ich konnte sie mit dem Finger spüren. Dann musste ich etwas drücken. Der Plopp-Effekt. Dann schob ich den Nadelkopf ans Ohrläppchen. Ich hatte ein Ohrloch. Der Rubikon war überschritten. Und es hatte nicht einmal besonders weh getan. Allerdings konnte ich mich so nicht zeigen. Der "Ohrring" musste wieder raus. Ein kleiner Blutstropfen blieb. Als ich am Abend noch einmal versuchte, die Stecknadel durch das Ohrloch zu stecken, ging es nicht mehr. Aber damit war der Anfang einer langen Selbststech-Karriere gestartet. Als eine Cousine von ihren neuen Ohrlöchern erzählte und dass sie sechs Wochen warten müsse, bis man die Ohrringe herausnehmen dürfe, hatte ich den Stein, der mir im Puzzle noch gefehlt hatte. Ich habe die nächsten Jahre ziemlich viel Kreativitiät darin investiert, einen Weg zu finden, wie man Ohrlöcher offen halten kann, ohne dass man es sieht (wobei, wahrscheinlich hat man es manchmal schon gesehen, denn einige Versuche gingen auch ziemlich schief, aber es haben alle geschwiegen). Ich habe am Ende auch zwei Lösungen für mich gefunden - und auch eine, wie man Ohrlöcher wieder entfernen kann.

Obwohl ich jetzt schon weit in den Vierzigern bin, 1-1 Ohrlöcher habe und auch eine Frau, die sie akzeptiert, hat sich von dem Elektrisiertsein nichts genommen. Die Zeit ist mir auch entgegen gekommen, es ist heute auch bei Männern nichts mehr Besonderes. Die Piercing-Welle ist für mich dagegen wie eine Reizüberflutung, da funktioniert es nicht - ich finde die meisten Gesichtspiercings ästhetisch katastrophal. Das sieht alles nur nach Frankenstein aus. Aber am Ohr, da kribbelt es weiterhin. Nicht immer erotisch, aber immer faszinierend.

Ich habe mal meine damalige Freundin gebeten, mir Ohrringe anzustecken. Das war aber enttäuschend. Der Reiz, Ohrringe zu spüren und mit ihnen zu spielen, das geht nur, wenn man es an sich selbst macht. Insofern empfehle ich auch das gefühlvolle Selbststechen. Es ist etwas sehr Intimes.


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