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Das Ohrlochforum ist seit 1999 online und das deutschsprachige Forum zu den Themen Ohrlöcher, Ohrpiercings, Ohrlochstechen, Schmuck, Pflege, Dehnen, Mehrfachohrlöcher ...

Re: Jonny hat Fragen

geschrieben von jonny am 23.02.2016 um 20:20:19 - als Antwort auf: Re: Jonny hat Fragen von HA 472
 
  Ich hab öfter gelesen, Internet, Zeitschriften, dass immerzu von Studex die Rede ist, als wenn es keine andere Firma gibt, die Ohrlochstechsysteme hat. Ich nehme an, dass der Marktanteil doch sehr hoch ist, weil sehr viele Juweliere und Schmuckläden auf Studex setzen. Ich nehme an, die gibt es seit den 70 ern.


Caflon dürfte etwa genauso alt sein.
Und gerade in den 80ern waren deren Pistolen sehr weit verbreitet, da hatte wohl so ziemlich jeder zweite Friseur eine Caflon. Der Vorteil war ihr günstiger Preis.
Und was Inverness angeht, so ist deren System 3000 (und der Vorgänger Inverness 2000) auch weit verbreitet. Soweit ich weiß setzt die Kette "Claire's Acessoires" das System 3000 ein. In Deutschland gibt es die auch häufig, aber hier gehen viele zum Ohrlochstechen doch eher zum Juwelier. Aber z.B. in Großbritannien hat Claire's einen riesigen Marktanteil was das Ohrlochstechen angeht.

  Diese Ohrlochstechsysteme sind wohl erst ab den 70 ern entstanden. Davor wurde wohl noch viel mit Nadeln, wie auch immer unhygienisch gestochen, was sicher ein Grund ist, dass vor den 70 ern sehr viele Menschen, meist Frauen, keine Ohrlöcher hatten. Wenn ich mir alte Filme, Fotos usw. betrachte, dann sind vor den 70 ern noch viele weibliche Wesen ungelocht gewesen. Zwar hatten da mehr Mädchen und Frauen Kleider und Röcke an als heute, aber viel weniger Ohrlöcher und wenn sie Ohrschmuck trugen, dann brauchten sie dazu keine Ohrlöcher, sondern trugen Clips. So Ohrclips gibt es doch kaum noch - früher waren sie die Regel.


Die ersten dieser Systeme gab es ab den späten 60ern, aber durchgesetzt haben sie sich in den 70ern.
Vorher war die Standardmethode in der Tat ein Eiswürfel und eine Nadel, meist eine Nähnadel, und ein Korken oder halber Apfel hinter dem Ohr. Das war eben das Ohrlochstechen im häuslichen Kreis.
Es gab aber auch schon früher Stechgeräte für Juweliere. Noch mit federbewehrten Nadeln und Hülsen zum manuellen Einfädeln der Ohrringe) Vor nicht allzu langer Zeit hat hier mal jemand einen Beitrag über Erfahrungen gepostet, die sie mit so einem bei eBay erstandenen alten Gerät von vor dem 2. Weltkrieg gemacht hat. Scroll einfach mal ein bisschen runter im Forum!

Der Trend zu Ohrlöchern begann in den 50er Jahren. In den USA war es zunächst die Jugendbewegung, wo Mädchen die Ohrlöcher für sich wieder entdeckten. Wohl gerade weil ihre Mütter (durch das Aufkommen der Ohrclips in den 20er Jahren) keine Löcher hatten. Die Jugend hat halt schon immer irgendwie rebellieren wollen.
In Großbritannien war es die damals junge Queen Elisabeth II, die sich 1952 Ohrlöcher stechen ließ um alte Familienerbstücke tragen zu können. Viele Frauen haben es ihr dann gleich getan.
In Deutschland kam das Ganze im Zuge der 68er Bewegung auf.
Die Pistolen hatten sicher ihren Anteil an der Verbreitung, aber ich denke auch ohne sie wäre die Mode so gekommen.
Meine Mutter und meine Tante bekamen auch schon Mitte der 60er Ohrlöcher. Meine Mutter war damals in der 2. Klasse, meine Tante war 13. Der Ohrenarzt hat das damals mit einer Kanüle gemacht.
Ihre Mutter, also meine Oma, hatte sich ihre Ohrlöcher mit 20 machen lassen. Allerdings von einer Freundin mit der Nähnadel und einem Stopfei hinter dem Ohr. Das müsste 1955 gewesen sein, wenn sie genau 20 war.

Was Clips angeht gibt es auch heute noch eine große Auswahl, und mit Magnetohrsteckern sind noch neue Alternativen dazugekommen.
Die Schauspielerin Elle Fanning trägt sehr häufig Ohrclips, weil sie keine Ohrlöcher hat.
Letzteres gilt auch für ihre Schwester Dakota und für Molly Quinn (Alexis, aus der TV-Serie Castle), die sieht man aber seltener mit Ohrschmuck.

Was auch aktuell in Mode ist sind Earcuffs, also Klammern die oben im Helix- oder Conchbereich angeklemmt werden. Viele Promis, z.B. Emma Watson, tragen die häufig.

  Ich denke mal, ab den 70 ern waren Ohrlöcher normal geworden, nachdem das Ohrlochstechen durch die neuen Systeme einfacher, schneller und hygienischer wurde.


Einfacher und schneller ja, hygienischer auf keinen Fall - auch wenn das damals so beworben wurde.
Die Stecker waren zwar steril, allerdings wurden sie beim Einsetzen in die Pistole oftmals mit - womöglich noch ungewaschenen - Händen angefasst, weil es damals noch keine so ausgefeilten Kassettensysteme wie heute gab.
Die Pistole selbst wurde nie desinfiziert oder gar sterilisiert. Oft nichtmal gereinigt. Dadurch konnten sich an dem Halter für den Schmetterlingsverschluss hinten wunderbar Blutpartikel, Spritzer von Gewebswasser und rausgerissene Bindegewebs- und Hautzellen festsetzen und von Mensch zu Mensch verbreiten. Hepatitis lässt grüßen. Und ein schöner Nährboden für Bakterien ist es auch.
In den späten 80ern wurde das zum Thema, als mal jemand darauf kam, dass sich so auch HIV übertragen kann.
Hat dann zur Entwicklung von Kassettensystemen geführt, wo Ohrstecker und Verschluss in Einweg-Plastikteile eingespannt sind.

Bei den Nähnadeln wurde die Nadel meistens nur einmal für dieselbe Person verwendet. Die Nadel wurde in der Regel über einer Kerze, oder dem Gasherd bis zur Glut erhitzt und dadurch sterilisiert.
Die Ohrringe wurden meistens in Schnaps eingelegt oder mit kochendem Wasser übergossen, und wer ein bisschen Ahnung hatte hat auch die Ohrläppchen mit Schnaps oder Spiritus desinfiziert.
Von dem her war das Infektionsrisiko hier eher noch geringer als bei den damaligen Pistolen.

  Was auffällt: in alten Filmen haben Männer und Frauen viel mehr geraucht und gesoffen, als heute. Das war auch wirklich real.


:-D Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Sobald jemand irgendwo hin kam war die erste Frage: "Wollen Sie einen Drink?"
Und schau mal Raumpatrouille Orion aus den 60ern an, da sind sie ständig am Whiskysaufen - sogar im Dienst, an Bord des Raumschiffs. Zum Glück gab es keine intergalaktischen Polizeikontrollen...

  Das Gesundheitsbewusstsein war damals anders als heute. Rauchverbot damals nicht so das Thema. Der Bierkonsum ist heutzutage seit Jahren rückläufig. Ich denke an die Serie DER KOMMISSAR, in schwarz-weiss, hier in München gedreht. Was da geraucht und gesoffen wird, Ohrlöcher ne, aber viele Kleider und Röcke. Ungefragt und nicht um Erlaubnis gefragt, wurde geraucht, auch in fremden Wohnungen, während der Bürozeit gesoffen. Das war alles nicht erfunden. Das wurde echt so gemacht, in Wirklichkeit, nicht nur im Film. Klar wurde in Zügen und Büros und Kaufhäusern geraucht. Heute nicht mehr möglich.


So sieht es aus.
Wobei man dazusagen muss, dass der Zusammenhang zwischen Herzinfarkt, Schlaganfall und Saufen/Rauchen (und Übergewicht) auch erst ca. in den 70ern bekannt wurde, durch die Framingham Kohortenstudie.
Die Studie läuft seit 1948 und ich glaube bis heute. Die letzten Ergebnisse wurden aber soweit ich weiß 2005 veröffentlicht.

  Ich kann mich erinnern, bin 1974 geboren, dass es bei uns Erstklässlern fast keine Mädchen mit Ohrlöchern gab. Gab es überhaupt welche, direkt zu Anfang der 80 er, wenn, dann noch sehr wenige. Ja, das änderte sich dann im Laufe der 80 er. Wenn die Mütter Ohrlöcher hatten, dann die Mädchen auch und wenn nicht, dann erst später, weil es viele Mädchen dann auch hatten. Ein Ohrring bei einem Jungen fiel mir ab Ende der 80 er erstmals auf, beidseitig mal bei einem Jungen so 1991 oder 1992.


Also ich bin 1984 geboren und kam 1987 in den Kindergarten. Schon in dem Alter gab es viele Mädchen mit Ohrringen dort. Meine beste Freundin damals bekam ihre 1989 mit vier Jahren, meine Schwester, meine frühere Nachbarin und die beste Freundin meiner Schwester (alle drei Jahrgang 1986) bekamen ihre 1990.
Die Frauen in meinem Umfeld hatten alle Ohrlöcher, mit Ausnahme meiner Oma väterlicherseits. Meine Tante hatte sogar drei.
In der Schule kam 1992/93 in der zweiten Klasse eine Italienerin zu uns, die eine 2-2 Kombination trug, mit 7. In der vierten Klasse haben sich zwei Mädchen je ein drittes Ohrloch stechen lassen. Aber das waren halt schon die 90er.

Auch bei den Jungs gab es im Kindergarten schon einige mit Ohrring.
Damals waren die Ohrstecker für die Pistolen immer paarweise abgepackt, und man musste beide bezahlen, auch wenn man nur ein Loch wollte. Deshalb gab es einige Jungs, die gleich 2 Ohrringe bekamen (zwei in meiner Kindergartengruppe), aber nicht beidseitig, sondern beide links. Beidseitige Ohrlöcher bei Jungs kamen erst um die Jahrtausendwende in Mode, bzw Ende der 90er mit David Beckham und so.
Glück hatte wer einen Bruder hatte, dann hat der den zweiten verpasst bekommen. ^^

  Meine Cousin sagte mal, sie brauche keine Ohrringe, um hübsch zu sein. Ihre Mutter hatte keine Ohrlöcher, bin mir sicher. Ich nehme an, weil meine Cousine nicht als einzige ohne Ohrlöcher sein wollte, bekam sie dann doch welche, als sie etwa 15 Jahre alt war. Da hatten ihre Schulfreundinnen schon lange welche, viele bekamen sie mit 6 oder 9 Jahren. Ich denke mal, wenn die Mehrheit welche hat, zieht man halt irgendwann mit. Heute sicher so, früher sicher nicht das Thema.


Ja, der Gruppenzwang.
Eine Kollegin beim Rettungsdienst damals, sie war Anfang 40, hatte rechts gleich 4 Ohrlöcher, trug aber immer nur im ersten Paar Schmuck. Ich habe sie, als wir mal zusammen eine Schicht fuhren, darauf angesprochen. Sie meinte das sei in der 8. Klasse gewesen, in den Achtzigern. Damals hätten sich die Mädels in der Aula gegenseitig Ohrlöcher gestochen, indem sie einfach mitgebrachte Ohrstecker durchgedrückt haben. Irgendwann hätte es dann geheißen: "Jetzt ist Moni dran", und bevor sie sich versah hatte sie 6 Ohrlöcher. Vorher hatte sie schon das Standardpaar.
Aber "als sie dann erwachsen wurde" hat sie die zusätzlichen Stecker rausgenommen. Die Löcher sieht man aber immernoch sehr deutlich.

Meine erste Freundin hatte auch lange keine Ohrlöcher. Mit 12 haben wir mal drüber gesprochen (damals waren wir schon zusammen, allerdings noch ganz unschuldig in dem Alter), da war sie wehement dagegen sich welche machen zu lassen (und sie wollte auch nicht, dass ich mir eins stechen lasse).
Mit 15 hat sie es dann doch gemacht, sie sagte weil ihre große Schwester viele Ohrringe hätte die sie nicht mehr trägt (sie sei "rausgewachsen"), und ihr einige davon gut gefielen. Da hat sie die vermacht bekommen, konnte sie aber nicht tragen.
Sie hat sich dann beim Juwelier mit einer klassischen Federdruckpistole lochen lassen. Haben sich aber entzündet die Löcher und sie hat die Stecker nach etwa zwei Monaten wieder rausgenommen und alles ist wieder zugewachsen.
Mit 16 kam das Thema wieder auf. Ich hatte mir da selbst ein Ohrloch gestochen, und dann fragte sie mich, ob ich ihre Löcher auch wieder "durchmachen" könnte.
Sie war die erste Person außer mir selbst die ich gepierced habe. smile


Wenn man mal diese vielen teuren Science-Fiction Produktionen, meist aus USA sieht und wie billig Raumpatrouille Orion gedreht wurde. Da lacht man heute drüber.
Aber tatsächlich ist in alten Filmen viel geraucht und gesoffen worden.

Auch auf der Bühne war das normal, wenn ich mir alte Boulevardschinken ansehe, mit Harald Juhnke, Grit Boettcher, Günter Pfitzmann, Achim Strietzel usw. Immerzu Zigarette, Zigarre, Bier, Likörchen, Cognac, Whiskey. In alten Tatort Fällen auch - beim Trimmel (Walter Richter) bekam sogar der Mordverdächtige Schnaps beim Verhör und beim Haferkamp und Kreutzer (Hansjörg Felmy und Willy Semmelrogge) hatten die beiden schon Bier zum Frühstück. In der realen Welt war das nicht anders.

In fast jeder Wohnung oder Haus gab es damals einen Schrank, wo Alkohol deponiert wurde, entsprechende Gläser und Deckel, zum Abstellen der Gläser und Salzstangen neben bei und natürlich die typischen Partykeller zu Hause. Im Film oft zu sehen, im wahren Leben normal auch. Dann dazu der Plattenspieler mit Singles und LPs.

Damals waren Hosen bei Frauen noch nicht so angesagt und Turnschuhe (Sneakers) auch nicht, eher Schuhe mit Absatz wie Sandaletten und Pumps. Das Thema Ohrlöcher nicht so groß wie in der heutigen Zeit.
Männer hatten damals lange Haare, sogar die adretten Schlagersänger in der ZDF Hitparade und trugen Schlaghosen, Plateauschuhe und hatten grellbunte Hemden und lange Koteletten im Gesicht.
Ja, die Zeiten waren für mich nur auf Fotos und im Film erlebbar.

Ich hatte bewusst die Zeit ab etwa 1982 in Erinnerung. Da waren Mode und Musik anders als in den 70 ern. Da kam die NDW, die Neue Deutsche Welle, mit der ich aufwuchs.

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