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An alle Ohrloch-(Selbst-) Piekser/innen

geschrieben von Alwin am 24.12.1999 um 12:59:14
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SELBSTSTECHEN VON OHRLÖCHERN

An alle Ohrloch-(Selbst-) Piekser/innen:
ich kann Eure Begeisterung auch aus reichlichen eigenen Piercing-Erfahrungen sehr gut verstehen. Ein bißchen "Technik" sollte jedoch sein, um dauerhaft Freude an den Piercings zu haben und vor allem, um schöne (und nicht z.B. ausgerissene oder herausgewachsene!) Piercings dauerhaft zu erhalten. Piercings sind eine Anschaffung für’s Leben und sollten deshalb sorgfältig geplant und ausgeführt werden!
Viele Leute stechen sich ihre Ohrlöcher und sonstigen Piercings lieber selbst, weil sie etwas wenig Vertrauen zu Piercern und vor allem zu den meist dilletantisch arbeitenden Schmuckläden habe, die Ohrloch- und Nasenstecker-Stechen anbieten. Auch wenn's schnell und schmerzlos geht: ich würde abraten, die Löcher mit einer Pistole machen zu lassen, weil man je nach Pistolentyp und Form der Ohrläppchen den Durchstich und die Durchstichrichtung einfach nicht mit der erforderlichen Exaktheit plazieren kann.
Besser, aber teurer ist ein professioneller Piercer. Die gibts inzwischen in fast jeder größeren Stadt. Immerhin sind Ohrlöcher eine Anschaffung fürs Leben und sollten sorgfältig gemacht sein, wenn man/frau dauerhaft Freude damit haben möchte!

Wer's selbst machen möchte:
geeignet ist eine normale Nadel, angespitzte, längere Ohrstecker oder die bei Piercern üblichen Kanülen von Einwegspritzen, Handwerker-Aalen (mit nicht zu dicker Nadel, läßt sich meist austauschen) oder aus ähnlichen Gerätschaften (z.B. spitz zugefeilte Nähfaden-Einfädler) selbst gebastelte längere Nadeln mit Griff. Alles sollte zumindest mit kochendem Wasser und Abreiben gründlich gereinigt sein. Beim Stechen ist wichtig, daß die Stechrichtung ca. parallel zum Kopf verläuft, besonders bei stark anliegenden Ohren. Andernfalls hängen später Creolenringe höchst unschön seitlich weg, und die Enden von Ohrstecker-Durchstiften können unangenehm pieksen, wenn man drauf zu liegen kommt. Außerdem soll das Hauptloch möglichst genau im Zentrum des Ohrläppchen oder minimal oberhalb angebracht werden. Bei nicht sehr ausgeprägten oder angewachsenen Ohrläppchenformen ist die optimale Plazierung besonders wichtig. Berücksichtigen sollte man, daß sich beim dauerhaften Tragen von Baumel-Ohrringen und Gehängen mit den üblichen sehr dünnen Durchsteckstiften bzw. -Bügeln bei Baumel-Ohrschmuck das Ohrloch im Laufe der Zeit nach unten zieht. Bei kleinen oder angewachsenen Ohrläppchenformen kann dies langfristig schlimmstenfalls zum Ausreißen des Lochs führen. Deshalb werden in südlichen Ländern, wo größere Baumel-Creolenringe oder -Gehänge schon seit langem üblich sind und ununterbrochen bereits von Kindesalter an getragen werden, die Ohrlöcher traditionell sehr weit oben im Ohrläppchen angebracht, was zwar vielleicht ”praktisch” ist, aber unschön aussieht. Im Laufe des Lebens ”schneidet” sich der (zu) dünne Durchsteckbügel des Ohrrings durch das weiche Ohrläppchen, so daß die Ohrlöcher älterer Frauen oft bis zu 1cm langen ”Schlitzen” gezogen sind.
Im Normalfall genügt jedoch, wenn der Erstlings-Durchstich etwas weiter oberhalb der Ohrläppchenmitte angebracht wird und die Stechrichtung hinten leicht schräg nach oben verläuft, um möglichst viel ”Fleisch” zu erfassen.
All dies wird von vielen unerfahrenen Ohrlochstechern aus Unwissenheit oder Ungeschicktheit oft nicht berücksichtigt und durch die mangelhafte Technik der handelsüblichen Schußpistolen oder Drücker ebenfalls nicht gerade gefördert. Hauptsache, die Prozedur geht schnell und tut nicht weh, was meist auch vom Kunden so gewünscht wird. Die manchmal unschönen langfristigen Folgen überdenkt niemand!
Dickere Durchsteckstifte ab ca, 1,5 mm Stärke könnten das ”Einschneiden” verhindern, sind jedoch bei ”normalem” Schmuck kaum vorzufinden. Außer bei ”richtigem”, direkt durchgesteckten Piercingschmuck. Allerdings ist die typische Piercingschmuck-Optik nicht jedermanns Sache und im normalen Berufsalltag meist nicht passend oder unerwünscht. Ansonsten bleibt nur der relativ teure Umbau des Ohrschmucks durch einen Goldschmied.
Natürlich bleibt nach dem Abnehmen solchen Schmucks ein ziemlich großes Loch im Ohr zurück, welches nach längerem Nichttragen von Ohrschmuck und mit etwas Massage nach einiger Zeit von selbst schrumpft. Aber selbst ein schmuckloses Loch kann an einem hübschen Ohr sehr sexy wirken. Viele finden gerade das kleine Loch interessant! Und Ohrringe werden heute gerne wieder ständig getragen!
Das Durchstechen des Ohrläppchens ist übrigens kaum zu spüren. Lediglich das Durchpieksen der Haut hinter dem Ohrläppchen kann etwas wehtun und erfordert oft ein wenig ”Gewalt”, wenn das Loch langsam und gefühlvoll mit einer Nadel oder Aale o. ä gestochen wird. Die langsamere Methode hat den Vorteil, daß die Stechrichtung noch etwas korrigiert und optimiert werden kann.
Der "Ausstich“ hinten ist für den richtigen Stand des Ohrlochs und die Dauerhaftigkeitt jedoch äußerst wichtig. Evtl. ein Stück (sauberen!) Kork oder dicken Karton gegenhalten.
Ein schlecht gestochenes Ohrloch am besten sofort wieder zuwachsen lassen und nach einigen Wochen neu stechen!
Evtl. zusätzliche Ohrlöcher dann je nach anatomischen Voraussetzungen und auf jeden Fall in möglichst gleichmäßigen Abständen anbringen!

Die frischen Ohrlöcher sind meist nach 2-6 Wochen vollständig verheilt, wenn man sie in Ruhe läßt und nicht ständig irgendwelche Cremes, Antiseptica u. ä. draufschmiert und der Erstlingsschmuck aus hautverträglichem Material besteht (was übrigens subjektiv nicht alle "medizinischen" Ohrstecker sind). Mit durchgesteckten Ringen heilt's übrigens etwas schneller als mit Steckern, weil mehr Luft an die kleine Wunde kommt.
Zur Hautpflege keine der handelsüblichen Antiseptmittel etc. verwenden, sondern nur (ganz sparsam) etwas gutes Olivenöl, damit die Haut geschmeidig bleibt!
Anfängliches Nässen und Eitern von frischen Piercings ist normal. Wenn sich neue Haut im Stichkanal bildet, zeigt sich das meist durch intensives Jucken an.
Bleibt die Umgebung des neuen Piercings ständig entzündet, ist evtl. ein unverträgliches Schmuckmaterial eingesetzt. Dann den Erstlingsstecker oder -Ring herausnehmen, durch einen anderen verträglicheren ersetzen oder zeitweilig (tageweise) den Schmuck herausnehmen, damit sich die Wunde beruhigen kann. Erst nach Abklingen der Entzündung oder Schwellung wieder Schmuck einsetzen. Wird längere Zeit kein Durchsteckschmuck getragen, kann das Löchlein natürlich wieder zuwachsen, läßt sich jedoch leicht durch Durchpieksen wieder reaktivieren! Im verheilten Stichkanal können sich kleine Talgansammlungen bilden, die regelmäßig entfernt werden sollten.

Trotz dieser "trockenen" Technik viel Spaß beim Schmücken und alles gute für ein vielleicht piercingreiches neues Jahrtausend!

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